Ein Jahr voller Abschiede. Heute wurde Jonna von ihrer Familie und vielen Freunden auf ihrem letzten Weg begleitet. Jonna ist das Kind einer Mama, die im selben Internetforum unterwegs ist wie ich. Jonna wurde viel zu früh geboren und hat hart gekämpft. Sie hat es weit geschafft. Nach intensivmedizinischer Behandlung war sie vor einigen Wochen so weit, dass sie nach Hause zu ihrer Familie konnte. Und jetzt hat sie sich doch entschieden zu gehen.
Ich bin kein Freund davon, im voraus alle Eventualitäten des Lebens abzuklären. Wenn meine nahen Verwandten von ihren Testamenten und Renten berichten, will ich davon eigentlich nichts wissen (auch wenn ich weiß, dass es bei einigen Punkten wichtig ist, das vorher zu klären). Also eigentlich denke ich über meinen eigenen Abschied das selbe wie über alle Aufgaben die da noch auf mich warten: we will cross that bridge when we come to it.
Doch durch Jonnas Geschichte, an der uns ihre Mama sehr nah teilhaben lässt, bin ich auf etwas gestoßen. Das ist jetzt eine merkwürdige Blogempfehlung, aber ich hab gedacht vielleicht möchte das doch der ein oder andere wissen.
Jonna und ihre Familie werden durch ein Bestattungsunternehmen begleitet das Die Barke heißt. Es ist in Frauenhand und leistet bei Jonnas Familie gerade sehr gute Arbeit. Ich habe mir die Internetseite angesehen und gedacht "die will ich auch wenn ich tot bin".
Machs gut kleine Jonna...
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habe bisher darüber auch wenig bis gar nicht nachgedacht, der Link berührt mich sehr, besonders der Begriff der Seelen-Hebamme! eine Verbindung von Wörtern, die ich so noch nie zusammen gedacht habe, aber die auf wunderbare Weise ganz viel Sinn ergibt- schliess mich dir an- die will ich auch, wenn ich tot bin
AntwortenLöschenund für Jonna alles Liebe für ihre Reise
LG Denise
Sie hat sich entschieden, zu gehen, Abschied, ihre Reise..... dieses metaphorische Sprechen finde ich auf eine gefährliche Art beschönigend (ähnlich übrigens Begriffen wie "Seelenfest" anstatt Beerdigung, obwohl du es nicht verwendet hast). Was für ein grausames Schicksal (ich habe es in dem Forum verfolgt), was für ein harter harter Schicksalsschlag! Unglaublich schrecklich, dass dieses Kind sterben musste! Wie sehr gegen die Natur, wo doch die Eltern vor den Kindern sterben sollten. Unermesslich! Und dass die Eltern das nun ertragen müssen.
AntwortenLöschenDanke für den Link. Vieles klingt so gut, so einfühlsam und sensibel.
Der Begriff Seelen-Hebamme ist mir auch aufgefallen. Und ich gebe zu: Ich habe das sprachliche Bild nicht verstanden. Vielleicht kann mir jemand ein paar Impluse geben?
Alles Liebe,
Tanja
Hallo Tanja,
AntwortenLöschenmeine Wortwahl ist etwas Gewachsenes. Und ich finde es nicht metaphorisch, eher sehr genau beschreibend. "Der letzte Weg" ist ja ein klassischer Begriff, der den letzten Gang bis zur Grabstätte, wo Jemand seine ewige Ruhe findet, beschreibt. Abschiede gab es dieses Jahr reichlich. Bei uns war es ein Schaf von dem wir Abschied nehmen mussten, nebenan war es der Vater&Opa, bei Freunden war es das Kind, welches für eine Weile weg war, aber wieder kam und nun ist dieses kleine Mädchen gegangen. Und viele Menschen haben sich von ihr verabschiedet und sie auf diesem letzten Weg begleitet. Ich empfinde die Sprache nicht als beschönigend. Es beschreibt das was ich darüber denke. Eine Bekannte von mir hat einen 12 jährigen Sohn. An seinem 10. Geburtstag sagte sie zu mir, dass er lange gebraucht hat, sich zu entscheiden tatsächlich hier zu bleiben. Er hatte eine sehr komplizierte Geburt, bei der phasenweise nicht klar war ob er überlebt. Und mit zwei Jahren ist er in einen Gartenteich gefallen und war klinisch tot. Er wurde wiederbelebt und ist heute ein ganz großartiger Mensch. Das Bild der Mutter "Er hat sich lange nicht entscheiden können hier zu bleiben" klang einfach passend.
Ich denke es gibt einige Seelen die nur kurz in einem Körper bleiben wollen. Ich sehe die ganze Intensivmedizin sehr kritisch und finde schon, dass viele Menschen andere Mensch bzw. Seelen hier fest halten mit all dem Gedöns. Und da finde ich es sehr passend davon zu sprechen, jemanden gehen zu lassen. Los lassen.
Die Geburtshebamme begleitet das Kind auf diese Welt und die Seelen-Hebamme begleitet die Seele auf dem Weg aus dieser Welt heraus. So verstehe ich den Begriff.
Und ich finde nicht, dass die Eltern vor den Kindern sterben sollten. Meistens ist es so, ja. Aber ich finde es ist kein Gesetz.
Aber vielleicht liegt dass auch an der Trauerbegleitung in der ich mich weiterbilde. Deshalb hier ein Buchtipp: "Wir haben unendlich Zeit" von Dierk Schirrmeister.
Lieben Gruss, Katrin.
...so schön wie du das beschreibst. Deine Worte zu diesem Thema (be)-rühren mich....
AntwortenLöschenLieben Gruß,
Tina
Genau so habe ich den Begriff der Seelenhebamme auch verstanden.Schon eigenartig, dass es heute etwas nicht sehr Selbstverständliches ist, dass man auch auf dem Weg aus dem Leben heraus- egal wie und wann dieser beginnt- begleitet wird.
AntwortenLöschenLeider habe ich bisher kaum die Erfahrung gemacht, dass Abschiede gut begleitet werden- eher noch, wie du ebenfalls schreibst,-durch unreflektierte Anwendung von Intensivmedizin behindert. Auch ich sehe es nicht als Naturgesetz an, dass Eltern vor Ihren Kindern gehen sollten. Es ist wohl eher dass, was wir uns alle wünschen und auch das was üblicherweise als "normal" gilt. Während der Schwangerschaft mit meinen Zwillingen habe ich oft darüber nachgedacht, welch eigenartigen "Normal" Vorstellungen doch so in unseren Köpfen herumschwirren und dass es eigentlich der absolute Glücksfall ist, wenn tatsächlich alles so eintritt, wie man es eben üblicherweise erwartet.
Danke für das Teilhaben lassen an deinen Gedanken zu den unterschiedlichsten Themen. Ich finde es ganz inspirierend mich immer wieder aufs neue mit einem anderen Blickwinkel auseinanderzusetzen. Das tut mit gut!
und Danke für den Buchtipp!
LG Denise
...man vermißt hier zu lesen...hoffe bei Euch ist alles gut!?
AntwortenLöschenLG Steffi