Mittwoch, 6. Februar 2013

Die Welt ist mein Klassenzimmer

Die ersten Wochen im Jahr beschäftige ich mich mit der Planung und Organisation von Dingen, die wir  dieses Jahr machen wollen.
Ich vermeide hier das Wort Lernen, denn in der Freilernerszene ist dieses Wort so überstrapaziert. Mir kräuseln sich schon immer die Nackenhaare wenn ich es höre. 
Also, was machen wir dieses Jahr?
Hier die ersten Planungsideen: Voltigieren, Biberzentrum besuchen, Schmieden, Schwimmen, Töpfern, Softwarekurse (Photoshop und Premiere), Stop-Trick-Labor, Physik, Trickfilm-Figuren-Labor, Junior-Falkner, Junior-Tierpfleger, Reiten, Schwedisch weiter lernen, Englisch & Französisch anfangen, Reisen (Lauterbourg, Schweden), Musik (Gitarre, Klavier, Singen), Zirkuscamp und der Krachmacher plant eine einwöchige Radtour ohne Eltern...

Montags Voltigieren: haben beide bisher ein Mal ausprobiert und sind schwer begeistert. Wir gehen noch zwei Mal hin und entscheiden dann ob wir das fürs ganze Jahr buchen. Da steckt dann auch meine erste echte Aufgabe für dieses Jahr drin. Der Pferdehof auf dem das Voltigieren stattfindet ist nicht ganz so wie ich es mir wünschen würde. Wir sind mit unserem Pferdeumgang (Gewaltfrei, Gebisslos, Artgerecht etc.) speziell und weit am Rande des Spektrums, das ist mir auch bewusst. Aber der Hof ist tatsächlich am entgegengesetzten Rande des Spektrums. Ein bisschen mehr in der Mitte hätte ich gut gefunden. Jetzt werde ich also jeden Montag mit dem Winzling im Trageding eine Stunde auf einem Hof umherschlendern, wo die Pferde in Einzelboxen stehen, denen mit Metalldingern im Maul rumgerissen wird, die als Sportgeräte gesehen werden. Vor dem Voltigieren war noch ein Herr mit seinem Dressurpferd in der Halle und hat mir noch mal vor Augen geführt, wieso ich diese Instrumente alle nicht am Pferd haben will. Natürlich kann man Metallgebisse, Zügel, Ausbinder etc sanft anwenden. Und es gibt bestimmt auch Menschen die diese Instrumente dazu benutzen sehr fein und genau mit dem Pferd zu kommunizieren. Aber das was ich dort sehen durfte, war weit davon entfernt. Auch das Publikum ist nicht so ganz mein Fall. Wenn ich diesen Menschen erzählen würde wie wir leben, würden die uns für Ausserirdische halten. Aber die kleine Fluse und der Krachmacher sind begeistert. Beide fanden die jeweilige Voltigierlehrerin total toll, sind mächtig stolz gewesen, dass sie sich aufs Pferd getraut haben und sogar schon beeindruckende Kunststücke gemacht haben und wollen unbedingt wieder kommen. Nun denn. Übe ich mich also in... wie heisst das?

Mittwochs Biberzentrum: da sind wir schon die letzten drei Mittwoche gewesen. Das ist super. Wir haben eine Jahreskarte gekauft. Zuerst tingeln wir bisher immer durch die Ausstellung mit den ganzen typischen Mitmach-Stationen. Der Krachmacher saß die letzten zwei Male an einem Computer auf dem ein Flugzeugthemen-Spiel installiert ist und versucht dort durch zu kommen. Derweil sind die Fluse, der Winzling und ich umhergezogen. Wir haben heute einige der pädagogisch sehr wertvollen Stationen bearbeitet und haben Papierflieger gebastelt.
Eine Station zum Beispiel hat das Thema Eier der Wildvögel. Da ist eine Wand mit Bildern der Vögel und ein Schaukasten mit den ausgepusteten passenden Eiern. Dann gibt es bei Jedem Bild und bei jedem Ei eine Buchse und zwei Klinkenstecker an Kabeln. Wenn man nun den einen Klinkenstecker bei einem Vogelbild in die Buchse stöpselt, leuchtet der Vogel auf. Und wenn man den anderen Klinkenstecker in die Buchse des richtigen dazugehörigen Eies stöpselt, leuchtet auch der Kasten von dem Ei auf. Jippie! Also hat die kleine Fluse heute (achtung jetzt benutze ich das Wort doch) gelernt: wie man Klinkenstecker in Buchsen Steckt.
Das hat die leider verstorbene Vera F. Birkenbihl auch schon so schön aufgezeigt. Wenn ich Kinder am Beckenrand Schwimmbewegungen machen lasse, lernen sie am Beckenrand Schwimmbewegungen zu machen - nicht Schwimmen. Naja, das ist der kleinen Fluse heute egal gewesen und ich finde Klinkenstecker akkurat in Buchsen zu stöpseln ist sehr wichtig und ich bin froh, dass sie das heute gelernt hat (der Papa und der Onkel und eigentlich fast alle Menschen die ich kenne sind Musiker und/oder Toningenieure und haben die Hälfte ihrer Lebenszeit mit Klinken und Miniklinken und Buchsen und Stöpseln verbracht). Ansonsten sehen die Deichhauskinder oft keinen Sinn in so Pseudoaufgaben und wollen lieber das Echte machen. Was vor allem mit der kleinen Fluse oft zu arbeitsreichen Situationen geführt hat. Zum Beispiel wenn sie auch Brot backen will und einfach meinen Teig (der grade gemütlich an einem warmen Ort vor sich hingeht) nimmt und noch mal Wasser rein kippt damit sie ihn kneten kann.
Allerdings hat das Flugzeugspiel offensichtlich Einfluss genommen. Seit zwei Tagen wird hier aus Lego ein Flughafen gebaut. Mit Flugzeugen, einem Fluglotsentower, einer Werksfeuerwehr und so weiter. Bisher gab es immer nur Star Wars und Harry Potter aus Lego.

Reitunterricht für die Fluse: muss ich noch organisieren.
Physik: die Termine stehen fest. Auch die kleine Fluse ist diesmal im Kurs. Das wird toll.
Töpfern für den Krachmacher: ich hab eine Töpferin aus dem Landkreis angeschrieben, ob sie Ihn mit in die Werkstatt nehmen würde.
Schmieden für den Krachmacher: wie immer bei unser Superschmiedin.
Schwimmen: die Fluse will das Seepferdchen machen, der Krachmacher Silber.

3 Kommentare:

  1. Das klingt so toll! Da würde ich bei ganz vielen Sachen auch gern mitmachen.

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  2. toll toll - toll toll toll!
    macht ihr das alles neben der Morgenrot-Schule??

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  3. Ramona, an Euch musste ich bei der Pferdehofgeschichte denken. Du hattest letztes Jahr ein Blogeintrag geschrieben über den Bauernhof, auf dem Deine Tochter so gerne war...

    Bmwklt, nee, das machen wir 'statt' schule ;)

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