Montag, 3. Januar 2011

Freies Lernen ist möglich, wenn es eine Schule gibt, an der die Kinder frei lernen dürfen. Und ich meine jetzt nicht eine Reformpädagogische Superschule, an der die Freiheit beim Lernen daraus besteht, dass die Kinder sich aussuchen dürfen ob sie Deutsch oder Mathe in dem 8.00 - 10.00 Uhr Block machen.
Es gibt diese Schulen an denen Kinder wirklich frei sind. Aber sie sind selten. Unser freies Lernen besteht darin, dass die beiden Kinder nicht unterrichtet werden. Es gibt viel Material. Hier zu Hause und auch in der Schule. In der Schule gibt es vor allem auch viel Lego. Da sitzen die kleinen Jungs meist den ganzen Vormittag dran. Dann kommt z. B. ein Mal die Woche ein Liedermacher und setzt sich mit seiner Gitarre hin und macht mit denen, die mögen, Musik - und die anderen tröpfeln so nach und nach dazu (auch die die erst mürrisch kundgetan haben sie fänden Musik machen voll öde). Dann kommt eine Lernbegleiterin und bietet Ursprüngliches Spiel an. Das ist so eine Tobemethode aus Amerika. Und dann macht sie das auf dem riesigen weichen Teppich mit der kleinen Fluse und einem anderen Mädchen. Und alle drei haben Spaß. Und an einem anderen Tag poltern die Jungs dazu und wollen auch. Dann macht sie das mit einer größeren Gruppe. Und dann kommt eine andere Lernbegleiterin und stellt 3 Nähmaschinen auf die Tische und schwupps nähen plötzlich alle irgendwas. Was ist mit den Kulturtechniken? Die passieren indirekt nebenher. Z. B. das Lesen. Wir lesen hier zu Hause sehr viel vor. Also ist das Lesen an sich hier einfach da. Der Krachmacher hat sich  lange vorlesen lassen. Und dann war ein Mädchen aus der Schule zu Besuch hier. Auf der Autofahrt hat sie den beiden vorgelesen (wir haben im Auto auch immer Bücher). Und am nächsten Abend hat der Krachmacher der kleinen Fluse vorgelesen. Und jetzt macht er das immer öfter. Ein größerer Schüler möchte im Sommer auf eine große öffentliche Schule gehen (er wünscht sich viele Kinder in seinem Alter) deshalb nimmt er Unterricht bei den Lernbegleitern. Ich hab mal mit ihm an seinen Aufgaben gearbeitet und er sagte, dass er gerne mit mir lernen würde. Also habe ich einen Englischkurs eingerichtet. Ich mache mit ihm jetzt einen Sprachkurs nach der Birkenbihlmethode. Der Krachmacher macht auch mit. Und einige andere Kinder aus der Schule wollen auch mit machen. So könnte ich jetzt stundenlang weiter berichten... Im Moment ist es für uns so genau richtig.

Freies Lernen ist möglich. Es gibt Wege. Und es kann sein, dass der Weg noch einige Kurven und Biegungen macht. Aber wie sagt der Engländer?

We cross that bridge when we come to it.

Hier jetzt also ein paar DVD´s die in unserem Schrank stehen:

Es war ein Mal der Mensch...
Tolle Deutsch-französische Produktion, die die Menschheitsgeschichte erzählt. Eine Reise durch die Jahrhunderte. Das wird immer wieder geschaut und es bleibt dann das hängen was grade irgendetwas im Krachmacher angesprochen hat (die Lieblingsserie vom Papa).

Es war ein Mal das Leben...
Das selbe nur für den Körper, alle Vorgänge werden biologisch korrekt erklärt und es ist total liebevoll gemacht (die Lieblingsserie von Mama).

Robbi, Tobbi und das Fliewatüt
Astrid Lindgren: alles was es da so gibt.
Luzie, der Schrecken der Strasse
Pettersson und Findus
Die Fraggles
Coco der Affe
Walhalla
Die drei Räuber
Das fliegende Klassenzimmer
Die Mummins
Der Wind in den Weiden
Hallo Spencer
Yakari
Momo
Konrad aus der Konservendose
Nachts im Museum

Was noch auf meiner Wunschliste steht:
Dr. Snuggles
Pan Tau
Flußfahrt mit Huhn
Biene Maja
Die Sesamstrasse (aber nicht diese Schnipseldinger die es schon gibt, ich würde mir die richtigen Folgen wünschen)

Ich glaube wesentlich wichtiger als die DVD-Titel ist der Umgang damit. Wir schauen die Sachen zusammen an und reden viel drüber. Das was die Kinder lernen ist das Denken. Das nacherzählen, Zusammenhänge erkennen. Die gesehenen Dinge sind hier Thema. Oft tagelang. Dafür ist es aber wichtig, dass wir Eltern die Inhalte auch kennen und bereit sind mit den Kindern Film-gespräche zu führen. Wir müssen das nicht forcieren. Die Kinder wollen von selber darüber reden. Wir müssen dann nur noch antworten. Eben das, was einem die Welt bietet, nutzen. Nicht nur stumm konsumieren. Der Krachmacher malt oft dazu Bilder. Oder setzt die Inhalte anders um. Nach Robbie, Tobbi und das Fliewatüt sind hier beide Kinder tagelang in Roboterkostümen aus Pappkartons rumgelaufen. Der Krachmacher hat die immer weiter verfeinert.

Das alles gilt aber ja auch genauso für einen Waldspaziergang. Wenn ich von den Kindern erwarte, dass sie ruhig neben mir her, den Weg entlang laufen, während ich die Natur genieße, gibt es nicht viel was die Kinder mitnehmen können. Wenn ich mich aber mit meinem Tee und Keksen einfach im Unterholz auf eine Decke setze und die Kinder dann zwei Stunden um mich rum los ziehen und Dinge entdecken und erforschen - nehmen sie etwas mit. Ich bin kein Animateur. Ich sitze einfach da und beantworte die Fragen die mir gestellt werden. Und helfe wenn ich gerufen werde. Ich bin oft recht unorganisiert, aber manchmal schaffe ich es doch die Bestimmungsbücher mit zu nehmen. Und dann können wir direkt nachschauen was im Wald gefunden wurde. Und auch hier gilt: das was entdeckt wurde weiter zu vertiefen. Wir sitzen dann vielleicht abends am Tisch und haben alle Malutensilien um uns. Ich male dann ein Bild von dem was ich im Wald gesehen habe. Der Krachmacher macht es dann auch. Und wir reden über das was wir malen. Ohne dabei Lehrerhaft zu sein. Das ist wichtig. Einfach vorleben.

13 Kommentare:

  1. DANKE! Tolle Schule,leider soooo weit weg!Die freie Schule( auch 50km von uns entfernt) würde sich garnicht so, von unserer alternative ,freie Waldorfschule, unterscheiden. Wir gaben eine tolle Klassenlehrerin, die sich wenigsten jeder Lerngeschwindigkeit anpaßt. Und auch die Elten sehr im abwarten und vertrauen haben( viele haben nämlich kein vertrauen) unterstützt.Ich denke man muß sich auch klar sein, das nur die Schule allein sicher nicht lehrt, sonder das Leben selbst, und was man daheim draus macht.
    LG Steffi

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  2. Ich sag erstmal Hallo! Über meine Readerempfehlungen bin ich hier gelandet. Ganz einfach.

    Unsere Tochter ist an einer Regelschule in der 1. Klasse. Sie ist in allen Bereichen viel weiter als die anderen Kinder, sie liest z.B. schon seit einem Jahr und es kann innerhalb der Schule nicht so sehr darauf eingegangen werden, wie ich mir das wünschen würde.

    Aber da sie ohnehin nur von 8-11:30 Uhr in die Schule geht, haben wir Zuhause alle Möglichkeiten, die wir für unsere Kinder wünschen.

    Und so sind die Mädels immer bei allem dabei, lernen, was wir tun, sei es das Einkaufen oder Kochen, das Gärtnern, Nähen oder mit den Großeltern unter einem Dach leben.

    Ich mag dieses Generationenleben sehr gerne und denke, dass davon alle profitieren und wesentlich mehr lernen, als Schule das in welcher Form auch immer leisten kann.

    Aber weder eine gute Schule noch ein gutes Familienleben sind überall gegeben, aber ich hoffe für alle Kinder, dass zumindest immer eins davon da ist.

    Bei Euch scheint beides zu stimmen. Toll!

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  3. Und manche Leute müssen auch arbeiten bzw. Beide Partner müssen arbeiten und schwupps geht das alles nicht auf, wenn es eine freie Schule in der Nähe gibt, hat sie höchstwahrscheinlich keine nachmittagsbetreuung. Dann ist man in arbeitswegen, bring und abholzeiten gefangen:( schon miste.

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  4. Ich lese deinen Blog eigentlich sehr gern, liebe Kathrin. Dieser Eintrag allerdings hat mir nicht so gut gefallen, obwohl ich selbst auch "Freilerner-Praktizierende" bin und mich auf dem Gebiet auch beruflich/wissenschaftlich sehr gut auskenne.
    Wenn ich das bei dir so lese, klingt es irgendwie nach Arbeit, nach "Projekt Kind". So wie du es beschreibst, kann man tatsächlich den EIndruck gewinnen, deine Kinder sind ein Projekt, dass du verfolgst. Es erinnert mich an das, was ich auch bei vielen Eltern mit "Frühförderwahn" erlebe und das stimmt mich traurig. Alles gaaaannngg beilääääufig, und bloß nicht oooberleehrerhaft. Ja, das ist so wie "denk jetzt nicht an einen rosa Elefanten".
    Ich glaube nicht, dass du deine Kinder tatsächlich so betrachtest, aber es klingt in dem Beitrag so. Und das ist für dich ja vielleicht auch eine interessante Rückmeldung.
    Ich musste unvermeidlich an Jesper Juuls "Kinder ertragen nicht mehr als sechs Stunden Pädagogik am Tag" denken.

    Zumal der Ton deines Beitrages auch etwas lehrerhaft klingt - und so kontraproduktiv zu seiner intendierten Botschaft wirkt.

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  5. hhhmmm...für mich klingts eher wie das gegenteil...was ist das denn für eine tolle schule? hört sich super an. erfordert aber auch viel mut von den eltern...ich finds toll dass ihr diesen anderen weg wagt. ich arbeite an mir! man stößt ja auf sehr viel kritik von allen seiten...aber bisher macht mir die kritik oder das zweifeln an unserem weg (mit langzeitstillen, gleichwürdigem behandeln etc.) garnix aus. ich fühle dass es genau das richtige ist! liebe grüße!!!

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  6. @Anonym: Das ist merkwürdig. Wir leben hier wirklich das Gegenteil von dem was Du aus dem Text raus liest. Ich bin absoluter Gegner von "Förderung" jeder Art. Und meine Kinder sind keine Projekte. Sie sind gleichwürdige Menschen mit denen ich zusammen lebe. Ich bestimme nicht was sie tun. Auch nicht beiläufig. Aber ich bin verantwortlich für ihre Umwelt. Ich gestalte unser zu Hause. Ich bin zuständig für das Material. Sei es Zeug zum Lesen oder zum Essen. Der Beitrag hatte eigentlich keine Botschaft die ich forciert habe. Es war die Antwort auf die Frage die in einem anderen Beitrag auftauchte. Ich wurde gebeten unsere DVD´s aufzuzählen. Und beim Auflisten viel mir auf dass es nicht die Auswahl der Filme ist sondern der Umgang damit.
    Ich finde Deinen Beitrag sehr interessant. Zumal ich Antipädagoge bin und bei Jesper eine Ausbildung gemacht habe. Aber ich frage mich ob ich nur bei Dir etwas angepiekst habe, oder ob auch andere diese Dinge aus dem Text raus lesen...?

    Zu dem anderen Anonymen Kommentator: Die meisten Eltern der Kinder unserer Schule arbeiten. Die Kinder sind wie in einer normalen Schule bei uns. Und es wird sich auch sehr verantwortungsvoll darum gekümmert dass die Kinder betreut werden, auch wenn eine Schulunternehmung nicht in den Zeitplan der Eltern passt.

    Generell möchte ich sagen, dass Kritik immer willkommen ist. Aber am liebsten mit einem Absender.

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  7. ...lese ich so nicht aus dem Text raus, auch nichts lehrerhaftes.Würde ich in der Nähe wohnen wollte ich mir die Schule sicher gern ansehen, und dich ganz sicher gern kennenlernen. Es ist nämlich garnicht so einfach Menschen zu begegnen die eine solche Lebensweise haben.
    LG Steffi

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  8. ...ach ja, noch vielen Dank für die DVD Liste.Das ein oder andere fefällt uns auch.
    LG Steffi

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  9. http://freiemorgenrotschule.blogspot.com/

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  10. hi kittie ich noch mal...sag mal welche ausbildung beim jesper hast du gemacht? ist mein absoluter traum, doch es ist sehr teuer nicht wahr!? sende dir viele grüße

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  11. ..danke für den Link zur Schule!So habe ich mir das vorgestellt.Jetzt brauchen wir nur noch den Job in der Nähe und das Haus. :o(Schade!Wir sind hier im Ruhrgebiet echt weit weg.Aber danke für all die Einblicke,vieles inspiriert ja auch.
    LG Steffi

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  12. Hach Schuldige, Arbeit der Eltern war mein Kommentar, irgendwie geh ich immer davon aus, du weißt von wem es kommt:) Sabine aus hh:)) ich halte das trotzdem für ein Problem und bei eigentlich allen freilernern, die ich kenne ist ein Elternteil flexibel und arbeitet nicht Oder zuhause. Das sind schon andere Bedingungen. Vielleicht hab ich unrecht. Das ist übrigens keine Kritik, sondern eine Anmerkung.

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  13. Bin durch Zufall hier gelandet und finde das wahnsinnig interessant. Genau das Thema, das mich und mein Söhnchen gerade beschäftigt ;-)

    Würde mich sehr über einen Blogeintrag freuen über das Thema "die Umwelt der Kinder gestalten" wie du es hier ja auch schon ansprichst. Das klingt so toll. Bin sehr gespannt auf Anregungen (besonders auch für meinen 2,5jährigen)

    Dir ein gutes neues Jahr!!!

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