Liebe anonyme Kommentiererin,
wie sonderbar, dass Du gerade jetzt etwas schreibst.
Gerade gestern waren wir wieder (das zweite mal) in dem Wildpark...
Ich antworte mal mit einem Blogposting, eventuell findet das ja noch jemand interessant.
Also, das mit dem Urzustand... hat hier zu wilden Spekulationen geführt.
Denn ich hatte im Kopf, dass Kant da was zu gesagt hat. Irgendwas mit Urzustand & Krieg und künstlich (?) & Frieden. Der Papa hier meinte sofort, dass muss aber Thomas Hobbes gewesen sein. Die Befragung der Wer-Was-Wo-Maschine ergab dann, dass ganz viele Leute so Etwas, oder Ähnliches formuliert haben.
Das worauf sich die Bruchstücke in meinem Kopf bezogen war: "Das von Kant 1795 veroeffentlichte Werk, » Zum ewigen Frieden «, war nach der Erstauflage schnell vergriffen und ist bis heute das meistbekannte und meistgelesene Werk dieses grossen (Rechts-)Philosophen.
Kant geht von der Praemisse aus, dass der Krieg der eigentliche "Urzustand" ist und der Friede zwischen den Menschen erarbeitet und gestiftet werden muss. Fuer den Frieden muessen alle aktiv beitragen und die Politik muss auf die friedliche Konfliktloesung verpflichtet werden.
quelle: http://europaunion.org/Kant.html
wikipedia sagt dazu: "Dabei stellt er klar, dass der Frieden kein natürlicher Zustand für den Menschen sei und deshalb gestiftet werden müsse"
Wenn man zu der Aussage von Kant komme will muss man eher nach: krieg, natürlicher zustand und frieden suchen. Viel Spaß ;)
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Ist immer schwierig mit den Begriffen: Naturzustand und Urzustand. Klingt ähnlich, meint aber dann doch etwas anderes, wird auch häufig verwechselt.
AntwortenLöschenDer "Naturzustand" (und das ist auch die Frage, gibt es einen Gott, der das in die Wege leitet oder nicht) beschäftigt einige philosophische Systeme: Hobbes - Locke, Rousseau, Kant. Sie wollen wissen, was Gerechtigkeit ist und wie sie sich in einem Gesellschaftsvertrag herstellen lässt. Vertrag ist dabei der zentrale Begriff, vor allem bei Kant, denn mittels Vertrag soll es vom "status naturalis" zum "status civilis" gehen.
Der "Urzustand" taucht tatsächlich als Begriff bei Rawls im 20. Jahrhundert auf. Und das ist dann nochmal eine ganz neue Form, ein neues Gedankenexperiment, auf welcher Basis Menschen Entscheidungen treffen (könnten). In ihrem Urzustand sind sie nämlich in Rawls System alle gleich, gleiche Interessen, gleiches Engagement. Also etwas ganz Hypothetisches, um eine Theorie weiter zu entwickeln.
Weiterlesen könnte man entweder bei Tante Google unter den Begriffen:
"Schleier des Nichtwissens"
oder
"Vertragstheorie"
oder
"Gerechtigkeitstheorien".
Oder natürlich die entsprechenden Passagen in Rawls "Theory of Justice", wenn man sich das freiwillig antun will :)
Aber noch eine kurze Sache zur Kant-Interpretation der Vorarlberger Europaunion, deren Webseite du zitierst: Von Erarbeiten und aktivem Stiften steht bei Kant selbst nichts, denn für Kant ist das mit dem Frieden ein teleologischer Prozess, etwas fast "automatisches", das zwangsläufig passiert, wenn man den ersten Zusatz betrachtet:
„Das, was diese Gewähr leistet, ist nichts Geringeres, als die große Künstlerin Natur, aus deren mechanischem Laufe sichtbarlich Zweckmäßigkeit hervorleuchtet, durch die Zwietracht der Menschen Eintracht ohne jeglichen Widerwillen emporkommen zu lassen. Denn es liegt in ihrem Wesen, zum Paradiesischen zu streben“
Schön, oder?
Danke für den Beitrag!
AntwortenLöschenAber die Unterscheidung zwischen Urzustand und natürlichem Zustand machen die Herren nicht so deutlich, oder? Man findet doch beide Begrifflichkeiten zuhauf...
Die anders lautende Version von Kant finde ich auch sehr spannend. Hat Kant denn formuliert in welchem Zeitrahmen dieser Wandel stattfindet? Wann ist die Menschheit so weit, dass Frieden den Normalzustand ist?
:)
AntwortenLöschena) die Unterscheidung wird schon sehr deutlich. Aber man/frau muss genau lesen. Im Dschungel der Internet-Informationen verlieren und verwaschen sich die Spuren der Begriffe...
b) nein, Kant ist ja Philosoph. Ein philosophisches System braucht keinen zeitlichen Bezugsrahmen. Und hält sich damit wieder mal fein raus.
Im Übrigen kommt Kant ja in der Kritik der praktischen Vernunft zur Erkenntnis, dass es Gott gibt. Vielleicht wäre der ja der richtige Ansprechpartner für deine Frage, wenn er mal konkrete Antworten auf konkrete Fragen geben würde ;)